Das war sie, die 67. Berlinale


Die 67. Berlinale ist nun endgültig vorbei, die letzten Artikel verfasst und bei uns kehrt langsam wieder der Alltag ein. Wir hatten eine tolle Berlinale mit einem wunderbaren neuen Team und möchten die Berlinale nun natürlich noch gebührend verabschieden.
Nicht nur dass wir fünf geworden sind, wir haben es diese Berlinale sogar geschafft, die 5000 Seitenaufrufe für den Berlinalezeitraum zu knacken! Unfassbar!
Wir sind euch allen unglaublich dankbar, die ihr immer so fleißig unseren Blog lest und uns unterstützt!


Sarah Gosten

Diese Berlinale war für mich geprägt von schönen Filmen. Filme, die zwar alle ein ernstes Thema behandeln, aber doch noch recht gut verdaulich sind. Ich hätte mir deswegen noch einen richtigen Schocker gewünscht.
Becoming Who I was, der mich nachträglich berührt hat und As Duas Irenes – und vor allem das anschließende Publikumsgespräch - werden mir bei KPlus noch lange in Erinnerung bleiben. Auch Ceux Qui Font.. und The Inland Road sind definitiv etwas Besonderes.
Ich hatte die Möglichkeit, einige tolle Interviews zu führen, die wundervolle neue Einblicke gaben. Auch die Publikumsgespräche waren meist wunderbar hochqualitativ und aufschlussreich.
Das beste ist aber, dass wir mittlerweile so viele sind. Diese Berlinale war voll von neuen Ideen, einem neuen Teamspirit, den wir vor allem unseren neuen Mitstreitern zu verdanken haben. Gerade dieser Teamgeist hat diese Berlinale zu etwas Besonderem gemacht!

Vivien Krüger

Für mich war die diesjährige Berlinale einfach großartig und eine der schönsten! Die Stimmung, die Filme, die Menschen, die Gespräche – es hat einfach alles gepasst. Insbesondere die Kurzfilme 2 von 14Plus sind mir sehr positiv in Erinnerung geblieben. „In a Nutshell“, ein sehr aufwendig arrangierter und von zahlreichen Assoziationen geprägter Film und der kroatisch-slowenische Film „Into the Blue“, in welchem ein junges Mädchen um die Aufmerksamkeit ihrer besten Freundin kämpft, gehören neben „Wolfe“ und „Sirens“ definitiv zu meinen Kurzfilmfavoriten. Auch unter den Langfilmen gab es dieses Jahr einige außergewöhnliche und ausdrucksstarke Filme. Ich hatte das Gefühl, dass wirklich (fast) jeder von ihnen eine eindringliche und eindeutige Aussage an das Publikum gerichtet und mit seinen meist sehr ernsten, aktuellen und realistischen Problemen die Zuschauer berührt hat. Ein besonderes Highlight war für mich das Interview mit Maryanne Redpath.
Wenn ich die diesjährige Berlinale mit drei Worten beschreiben müsste, wären es: aussagekräftig, vielfältig, mitreißend.

Carlotta Saumweber

Die 40. Berlinale ist zwar jetzt schon eine Woche lang vorbei, aber in meinem Kopf geistern immer noch jeden Tag viele Filme umher und geben mir zu denken. Das ist es, was ich jedes Jahr aufs Neue so toll finde an der Berlinale, so viel habe ich dazugelernt und so viel auch nachgedacht. Teilweise war das natürlich auch super anstrengend und ich wurde zwischendurch zu einem emotionalen Wrack, aber das hat mich nicht davon abgehalten, die Berlinale in vollen Zügen zu genießen und mich jetzt wieder tierisch auf kommende Jahre zu freuen! Die zahlreichen wunderbaren Filme haben mein Herz wahrlich bewegt, aber mein Dank geht auch an das Kernteam der Freien Generation Reporter, die mich so herzlich aufgenommen haben!

Johanna Gosten

Mit neuem Elan und neuen Mitgliedern sind wir in die 67. Berlinale gestartet - und es hätte kein größerer Erfolg werden können. Das Gefühl, auf diesem Festival eine zweite Familie gefunden zu haben, war noch nie so stark wie dieses Jahr, und ich bin glücklich und dankbar für all die wunderbaren Menschen, die die Berlinale in mein Leben gebracht hat.
Gleichzeitig habe ich mir auch noch nie so viel Zeit zum Filmegucken genommen. Zwar waren die diesjährigen Filme deutlich weniger erschreckend als die Jahre zuvor, jedoch hat mir das Programm wie immer gefallen. Meine persönlichen Gewinner waren Becoming Who I Was, Shi Tou und The Inland Road, allerdings war ich zumindest bei 14Plus mit (fast) allen Preisträgern zufrieden.
Meine #BerlinaleMoments: Jason Isaacs bei der KPlus Eröffnung, Interviews mit Maryanne und Tobi und die Atmosphäre bei der 14Plus Preisverleihung.

Liv Thastum

Wie immer habe ich einen Klos im Hals gespürt, als ich das letzte Mal den Berlinale Vorspann gesehen habe. Ich bin jedes Jahr überrascht wie schnell die Zeit vergeht! Es war wie immer schön: gute Filme, interessante Menschen und eine tolle Stimmung. Meine Filmhighlights waren „Butterfly kisses“, „Becoming who I was“ und „The inland road“ aber auch „Ceux qui font...“ wird mir lange im Gedächtnis bleiben. Ich habe viele spannende Interviews geführt und dabei viele tolle Menschen kennen gelernt. Die Teamerweiterung hat toll funktioniert und dem Projekt gut getan. Mittlerweile kann man schon fast sagen „Berlinale ist Zuhause“. Ich bin dankbar für die schöne Zeit und hoffe unsere Projekt wird noch lange am Leben bleiben. Aufs nächste Jahr freu ich mich jetzt schon riesig. „Long live free Generation reporters, long live the Berlinale“


Mia

Die diesjährige Berlinale war wirklich schön!
Neben den tollen Lang- und Kurzfilmen, die ich sehen konnte und einigen tollen Begegnungen, gab es zwei Dinge, die für mich während dieser Berlinale, besonders bereichernd und wichtig waren.

Zum einen war es eine spannende und tolle Erfahrung mit einem größeren Team zu arbeiten und eigentlich in jeder Vorstellung jemanden zu sehen, mit dem man zusammen gehört! Da dadurch auch der Austausch über die Filme eine andere Dimension erreichte und ich noch vielfältigere Sichtweise mitbekam.

Des Weiteren einmal ein großes Dankeschön an viele der Berlinale Mitarbeiter, die die Berlinale zu dem machen, was sie ausmacht. Während des Festivals konnte ich immer mit meinen Fragen zu ihnen kommen, was manchmal wirklich eine Erleichterung war...

Eva Swiderski

Nach den zehn Berlinale-Tagen gefüllt von intensiven Filmen, wirkt es fast schon ungewohnt, abends nicht mehr den 200. Bus zum Haus der Kulturen zu nehmen.
Die Zeit ging wahnsinnig schnell vorbei, ich hatte das Gefühl anderthalb Wochen lang in einer Blase voller Kunst herumzuschweben.
Diesmal begeisterte mich besonders die Vielfältigkeit des Programms. Von schrillen, bunten Animationen über schwarz-weiß bis zu Aktionskunstfilmen und Dokumentationen war alles vertreten. Es gab auffallend viele witzige und doch tiefgründige Filme, die nicht allzu trist gehalten wurden.
Besonders für mich als Hobbymusikerin fand ich es schön zu sehen, was für eine große Rolle die Musik im Leben doch spielt, denn darum drehte es sich in mehreren Filmen ausschließlich.
Mein absolutes Highlight mag für viele nicht nachvollziehbar sein, ist aber eindeutig „My entire Highschool sinking into the Sea“, da er mit seinem expressiven Zeichenstil und absurdem Humor sehr herausgestochen hat.
Oft habe ich noch Bilder aus „Becoming who I was“ in meinem Kopf- weil Onkel und Sohn in ihren roten indischen Trachten im Tiefschnee so schöne Szenen boten, hat mich das sogar dazu überzeugt, mal eine Reise auf eigener Faust nach Tibet/ Nordindien zu machen. Ich bin sehr glücklich, mich noch an so viele bestimmte Details, Portraitaufnahmen und die zärtliche Umsetzung mit schwierigen Themen erinnern zu können.
Ich kann es kaum erwarten, mich nächstes Jahr wieder berieseln zu lassen!

Moritz Palma

Die diesjährige Berlinale war wieder einmal einfach unglaublich! Im Programm waren viele einzigartige Filme, die auf eine ganz besondere Weise auf verschiedene und interessante Themen aufmerksam machten. Dazu kamen dann noch die anderen wundervollen Reporter... Sie ist einfach eine der schönsten Zeiten im Jahr! :-)

Vincent Edusei

11 Filme hab ich gern geseh´n,
nun muss ich leider wieder geh´n.
Mein Horizont erweiterte sich im Nu,
ceux qui font les révolutions à moitié n'ont fait que se creuser un tombeau.
Wie schön, dass manch einer meine Liebe teilt. Schade, dass nicht immer jeder bis zum Ende im Kinosaal verweilt…

Doch ist es immer wieder toll, jung und alt, Neuling und Routinier, Mainstream- und Independentfilm - Liebhaber -und Filmer
einmal im Jahr als Gemeinschaft erleben zu dürfen. Hoffentlich bleiben die Kinos immer so laut und voll!
Die Generation Kplus hat dieses Jahr wieder berührt („Becoming Who I Was“, „Estiu 1993“,…).
Ja, letztes Jahr gab es eine breitere Fülle an wirklich überwältigenden, neuartigen Filmen. Dieses Jahr gab es aber auch mindestens zwei Kandidaten, die es richtig in sich hatten.
Das waren für mich die Gewinner des Silbernen Bären und der Lobenden Erwähnung der Generation 14plus, „Butterfly Kisses“ und insbesondere „Ceux qui font…“.
Filmisch innovativ und intensiv, thematisch sensibel, diese zwei waren in allen Belangen bereichernd.
Ein erweiterter Horizont, eine Fülle an positiver Energie, angeregte Diskussionen und neue Bekanntschaften.
All diese Wünsche hat die Berlinale dieses Jahr dann also doch wieder erfüllt.

Meine Begeisterung für die Berlinale ist dieses Mal jedoch nicht nur aus der besonderen Atmosphäre und den einzigartigen Filmen entsprungen,
sondern vielmehr aus den „Freie Generation Reportern“ bzw. wurde von dieser gemeinschaftlichen Energie um ein Vielfaches verstärkt und hält somit noch viel nachhaltiger an.
Die Freie Generation, das sind nicht nur wir 14. Wir sind nur die Reporter der Leidenschaft, ein Teil des großen Ganzen. Pathetisch, aber wahr.
Ja, ich hab diese 13 in mein Herz geschlossen, Filme hohen Niveaus gemeinsam mit ihnen genossen.
Das Wichtigste jedoch seid ihr!
Ihr Liebhaber des Films und des großen Kinos.
Ihr motiviert uns zu schreiben, zu reflektieren und dadurch mehr zu sehn, hoffentlich nicht nur dieses Jahr, sondern auch noch in zehn.

„Pottan, you did it!“

"Es gibt keine Polizei im All, keine Regeln. Und Eltern müssen nicht die ganze Zeit arbeiten. Zumindest nicht, wenn du Geburtstag hast." - Eine Kritik zu "Upp i det blå"

Die achtjährige Pottan soll ihre Ferien eigentlich auf einem Ponyhof verbringen, wird aber von ihren dauernd beschäftigten, unaufmerksamen Eltern versehentlich an einem Recyclinghof ausgesetzt. Da Pottan sie erst nicht wieder erreichen kann, wird sie von den Schrottplatzbewohnern Dennis, Ture und Rydberg aufgenommen. Nach anfänglichem Misstrauen lebt sie sich langsam ein, es entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen den Charakteren und Pottan wird in den geheimen Plan eingeweiht, an dem die Schrottplatzbewohner seit einiger Zeit arbeiten. Sie wollen nämlich eine Rakete bauen um mit Weltraumschrott das große Geld zu machen. Von da an nimmt die turbulente Geschichte ihren Lauf, erzählt wird sie auf skurrile Art und Weise und ist dabei unfassbar lustig.

Der ganze Film ist liebevoll designed, die Farben sind strahlend und Outfits der Personen toll. Die Musik ist sehr schön und teilweise witzig, wenn es sich um Melodien von, für uns Älteren, bekannten Songs handelt. Zudem ist die Idee des Filmes sehr originell und auch wenn das Ganze teilweise etwas einfach gestrickt ist, wird es nie kitschig oder langweilig. "Upp i det blå" ist witzig, genial, mitreißend, aber auch sehr einfühlsam und die starken Charaktere werden von tollen Schauspielern porträtiert, die allesamt überzeugen.

Allerdings gab es viele Szenen, in denen extrem gegensätzliche Emotionen in den verschieden Altersklassen des Publikums zu beobachten waren. So mussten die Erwachsenen teilweise total lachen, während die Kinder verängstigt waren. Teilweise handelte es sich nämlich um sehr ernste Szenen, die, wenn man den Humor des Ganzen nicht erkennt, sehr beängstigend wirken können. So fragte ein Mädchen neben mir ihre Mutter sogar, was es denn gerade überhaupt zu Lachen gäbe. Gestört hat mich persönlich das jedoch nicht, ich finde es hervorragend, dass der Film allen Zuschauern, ob groß oder klein, viel mit auf den Weg gibt. Ich hatte großen Spaß und war trotzdem sehr bewegt, habe dieses skurrile Werk also in vollen Zügen genossen!



English version

The eight year old Pottan should actually spend her holidays on an pony farm, but her constantly busy and distracted parents accidentally drop her off at a recycling yard. Not able to reach them again, the junk yard inhabitants Dennis, Ture and Rydberg start to take care of her. After initial distrust she starts to settle down, a deep friendship between the characters develops and Pottan is then let in the secret plan, on which the group has worked for some time. They want to build a spaceship in order to make money by selling astro-garbage. From there the turbulent story takes its course, narrated in a quirky but very funny way.
The whole movie is designed tenderly, the colors are bright and the outfits fantastic. The music is beautiful and partly funny, when a melody is used that some may recognize. Furthermore the idea of the film is truly witty and even if everything is quite simple, it never gets corny or even boring. Upp i det blå is funny, brilliant but still sensitive and the expressional characters are played by actors, who are all very convincing.

However, in some scenes, extremely opposing emotions of the different age classes of the audience could be watched. Sometimes the adults where laughing while the children were very frightened. Partly the scenes are very serious and a bit scary, if you are not able to perceive the humor. One girl sitting next to me for example even asked her mom, why some people were laughing. I did not mind that, I love, that the movie has so much to offer for everyone. I had a lot of fun and was still very moved, so I enjoyed this quirky film to the fullest!


26.02.17, Carlotta Saumweber

Das Sprachrohr eines Filmteams


Viele Filmteams aus aller Welt besuchen die Berlinale und beantworten nach den Screenings die Publikumsfragen. Englischsprachige Filmemacher haben es da sehr leicht, aber was ist, wenn man aus Afrika, China oder Korea kommt? Ganz einfach - es müssen Dolmetscher her! Halym Kim, Übersetzer für das Filmteam des Preisträgers „Becoming Who I Was“, hat sich für Sarah und mich die Zeit genommen, ein paar Fragen zu dem Thema zu beantworten. Er spricht koreanisch und war dieses Jahr zum ersten Mal auf der Berlinale als Dolmetscher tätig.

fGR: Wie bist zu diesem Job gekommen?
Halym: Eine Freundin arbeitet jedes Jahr bei Generation und sie hat mich gefragt, ob ich zufällig Zeit hätte, weil sie noch ganz dringend einen Übersetzer gesucht haben. Das war etwa eine Woche vor der Berlinale.

Hast du den Film also auf der Berlinale zum ersten Mal gesehen? Und warst du auch mehrfach in den Vorstellungen?
Halym: Ja, das war das erste Mal. Ich hatte zwar einen internen Link, über den ich auf den Film zugreifen konnte, aber da waren Wartungsarbeiten auf der Homepage, deswegen konnte ich den Film erst auf der Premiere sehen, also mit euch.
Am Donnerstag waren wir dann noch einmal im Film, Freitag und Sonntag aber nicht mehr. Wir waren dann draußen und sind gegen Ende des Filmes reingegangen, wurden angekündigt und haben das Publikumsgespräch gemacht.

Wieviel Kontakt hattest du denn zum Filmteam?
Halym: Sehr viel. Zur Premiere haben wir uns kennengelernt. In den nächsten Tagen haben wir uns immer eine halbe Stunde vorher getroffen und an manchen Tagen sind wir nach dem Film oder jeweiligen Event Kaffee trinken gegangen und haben uns ein, zwei Stunden unterhalten.
Am Montag sind sie wieder abgereist.

Hast du irgendwelche spannenden Insider erfahren?
Halym: Es gab schon lustige Sachen. Zum Beispiel an dieser Stelle im Film, als der Hauptdarsteller das Feuer im Kamin angezündet hat - da wussten die echt nicht, was sie machen sollen. Die eine meinte „Ich konnte mich gar nicht einkriegen vor Lachen“, aber sie konnte natürlich nicht laut lachen.

Und wie fandest du den Film?
Halym: Wirklich schön. Ich fand ihn sehr spannend, lustig und natürlich emotional. Aber als ich dann diese ganzen Hintergrundgeschichten gehört habe, unter welchen Umständen der Film gedreht wurde und wie das finanziell für die war, warum das letztendlich wirklich acht Jahre gedauert hat, da fand ich das Resultat umso bemerkenswerter, weil da echt viel Arbeit und Geld aus eigener Tasche eingeflossen ist.
Die haben nur zu dritt gedreht und hatten ab und zu Drohnen. Es gab zwar Crowd-Funding, aber nicht für acht Jahre. Damit waren auch viele Zweifel verbunden, ob sie das noch zu Ende bringen — das stand wirklich auf der Kippe.

Hast du dich im Laufe der Zeit auf der Bühne sicherer gefühlt?
Halym: Ja. Am Mittwoch war es tatsächlich am entspanntesten. Donnerstag war es hektischer, da gab es andere Fragen und auch der Ablauf war anders.
Ich fand die Fragen von den Kindern sehr süß. Von den Erwachsenen kamen eher komplizierte Fragen, wo ich erst einmal überlegen musste, wie ich das überhaupt übersetze.
Einmal hat aber auch ein Junge gefragt, ob die Zahlen stimmen, weil ein Handschuh 50 Rupie und das Hotel 300 Rupie gekostet hat, was das für ein Verhältnis ist. Das fand ich sehr bemerkenswert, vor allem weil das im Film gar nicht gesagt wurde, dass das Hotel 300 Rupie kostet, sondern er das an den Scheinen, die auf dem Tisch lagen, abgezählt hat.

Wir hoffen, Halym auch nächstes Jahr auf der Berlinale zu treffen!

26.02.2017, Johanna Gosten

Eine Berlinale ohne Maryanne Redpath - geht das überhaupt?

Die gebürtige Neuseeländerin hat schon früh den künstlerischen Weg eingeschlagen. Nach ihrem Studium mit dem Schwerpunkt Kunst- und Theaterwissenschaften, arbeitete sie als Multimedia-Performance-Künstlerin, Theatertechnikerin und -lehrerin in Sydney. Dort unterrichtete sie unter anderem auch Aboriginal-Kinder und –Jugendliche. Nach zahlreichen Eigenfilmproduktion und dem Mitwirken an einer australischen Kinderfernsehserie, brachte sie ihre Liebe zum Film gleichermaßen wie ihre Leidenschaft, mit Kindern zu arbeiten, schließlich in die deutsche Hauptstadt. Seit 1993 ist Redpath nun für die Berlinale tätig und seit neun Jahren die Leiterin und Kuratorin der Sektion Generation.
Wir haben sie für Euch direkt vor der Preisverleihung von 14Plus in der Lounge der Schwangeren Auster getroffen und ein wenig mit ihr über die Berlinale geplaudert.

fGR: Wie sieht dein typischer Tagesablauf während der Berlinale aus?
Maryanne: Meistens muss ich ab 8.30 Uhr auf der Matte stehen, um beispielsweise Filmteams kennenzulernen, ein Interview zu geben oder mich um ein Problem zu kümmern. Ich verbringe auch sehr viel Zeit in Taxis (lacht). Für mich sind die Kinos wie ein Dreieck, zwischen denen ich andauern hin und her pendele: Zoopalast, Cinemaxx, Haus der Kulturen der Welt, dann wieder zum Zoo zurück und so weiter. Aber das kennt ihr ja auch. Im Moment stehe ich nicht so oft auf der Bühne, weil wir so ein großes Programm haben. Ich lerne aber jedes einzelne der 62 Filmteams kennen, plus die Teams der Sondervorstellungen. Und das ist auch etwas, was mir sehr wichtig ist. Die Menschen kennenzulernen und sich mit ihnen über ihre wunderbaren Filme auszutauschen. Dabei entstehen so viele magische Momente. Die meisten sind super begeistert, besonders vom Publikum, aber auch vom eigenen Team oder von den anderen Vorstellungen. Die Q & A’s sind auch immer wieder ein Highlight für beide Seiten. Das Feedback, das die Filmemache dabei bekommen, ist so schön direkt und so schön ungefiltert. Ich moderiere außerdem die beiden Eröffnungen und die Preisverleihungen von K- und 14-Plus. Es gibt also sehr viele Dinge zu organisieren.

Ab wann beginnen bei Euch die Vorbereitungen?
Ab September geht es normalerweise los. Im Sommer hat man ein paar Monate, in denen es relativ ruhig ist und man ein bisschen Zeit hat, zu atmen. Allerdings kann es auch schon mal vorkommen, dass bereits im Juli die „Early Birds“ kommen, also quasi die allerersten Filme eingereicht werden. Außerdem gibt es ja auch eine Menge andere Filmfestivals, gerade in Europa und da kann es auch schon mal sein, dass ich einen Film unbedingt haben möchte und ein anderer Filmfestivalveranstalter aber auch. Da muss dann immer so ein bisschen gedealt werden, das braucht auch seine Zeit.

Das heißt, man darf wirklich immer nur an einem Festival teilnehmen?
Nein, das nicht. Es gibt zwar gewisse Richtlinien was den Premierestatus eines Films angeht, insbesondere bei europäischen Premieren, aber ansonsten ist es den Filmemachern überlassen, auch an anderen Filmfestivals teilzunehmen. Die Richtlinien der Berlinale sind eigentlich ganz einfach: die Filme müssen ganz neu sein. Mittlerweile feiern sehr, sehr viele Filme ihre Weltpremiere bei uns. Das freut mich sehr, denn das bedeutet, dass alle Leute, die in so einem Film mitwirken, noch ganz frisch dabei sind. Da ist dann auch meistens ein noch größeres Presseaufgebot.

Wie viele Filme guckst du persönlich? Hast du da eine ungefähre Zahl im Kopf?
Ich fürchte, nein, die kann ich euch nicht nennen, weil die Vorbereitung immer phasenweise geht. Ich würde sagen bis Mitte Januar habe ich dann auch sehr, sehr viele Filme gesehen. Wir haben auch ein Auswahlgremium, die gewisse Vorentscheidungen treffen. Also deren Job besteht quasi darin, nichts anderes zu machen, als den ganzen Tag Filme zu schauen. Ich bin da auch sehr oft mit dabei, aber oft muss ich mich auch um andere organisatorische Dinge kümmern. Also es gibt so einen Filterprozess des Auswahlgremiums. Erst müssen sie sich den Film anschauen und dann diskutieren, ob das ein Film für unser Programm sein könnte. Dann beraten sie sich untereinander und anschließend mich. Ich schaue mir die Empfehlungen dann an und habe letztendlich das Schlusswort. Das Gute ist, dass sie mir vorher immer genau sagen, in welcher emotionalen Verfassung ich sein muss, um diesen Film zu sehen. Das hilft ungemein. Das habt ihr leider nicht.

Wie kommt das Programm dann zustande?
Also nachdem wir die Auswahl getroffen haben, „grooved“ sich das alles eigentlich immer ganz von alleine ein, sagen wir immer. Also es gibt im Prinzip zwei Phasen. In der ersten wählt man sehr viel aus und lädt ein und dann gibt es wieder Phasen, wo man eine sogenannte Warteliste aufbaut. Manchmal ist diese Warteliste sehr lang und dann kommen meine Kollegen zu mir und sagen, Maryanne, du musst jetzt ein paar Entscheidungen treffen. Und da haben sie natürlich Recht, weil es immer einen Rattenschwanz von Arbeit gibt, die dann an jeder Einladung hängt. Und Ende der ersten Januarwoche steht dann das offizielle Programm. Danach programmieren wir die Kurzfilme, Pressemeldungen müssen herausgegeben werden und das Programm wird natürlich veröffentlicht. Und dann geht’s los!

Wie geht ihr mit den Filmteams um, die es nicht geschafft haben?
Das ist natürlich immer keine schöne Nachricht. Wir versuchen aber gerade deshalb höflich und so einfühlsam wie möglich zu verkünden, dass ihr Film es leider nicht ins Programm geschafft hat. Selbstverständlich ist das immer eine sehr, sehr große Enttäuschung für viele Filmemacher. Jeder Film wird mit sehr viel Liebe gemacht und der Zeit- und Geldaufwand ist natürlich auch ein großer Bestandteil ihrer Arbeit und die Hoffnung ist groß, wenn man einen Film einreicht bei der Berlinale. Aber wir müssen es leider machen. Früher habe ich die Ablehnungen auch immer selbst gemacht, aber jetzt nicht mehr. Wir sagen auch nicht, „dein Film wurde abgelehnt“, wir sagen „dein Film ist nicht ausgewählt“.

Was wäre denn ein Ausscheidekriterium?
Das können ganz unterschiedliche Gründe sein. Wenn der Film zum Beispiel nicht ins Programm passt. Wir legen sehr großen Wert auf die Vielfältigkeit unseres Programms. Gerade dieses Jahr gibt es in K- und auch 14-Plus sehr viele Dokumentarfilme, Animationsfilme, Featurefilme und Fiktion, die alle nebeneinander im Programm stehen. Das ist auch eine schöne Arbeit für mich als Kuratorin, jedes Jahr aufs Neue zu sehen, wie viele unterschiedliche Genres und Arten von Filmen wir zeigen. Aber das bedeutet auch, dass ich bei der Programmerstellung abwägen muss, gibt es diese Art von Film schon einmal oder auch nicht und dann schaue ich auf der Warteliste, ob es einen Film gibt, der diese Lücke schließen kann. Und so entsteht ein Programm. Es gibt also keine konkreten Gründe, die ich jetzt benennen könnte, weil diese Entscheidung letztendlich immer von den Konkurrenzfilmen, also vom behandelten Thema, dem Genre oder dem Land, abhängig ist. Ich picke mir dann einfach das heraus, wo ich glaube, dass es mal ein bisschen was anderes ist und wo es nicht immer nur um die gleichen durchgekauten Themen geht.

Was muss ein Film haben, um ins Programm aufgenommen zu werden?
Wir diskutieren viel in Gremien über die Filme und über die Auswahl und es kommen so viele verschiedene Blickwinkel zusammen, dass macht die Sache so spannend. Es geht nicht nur um feste Meinungen. Man muss da ganz offen sein.

Haben sich die Themen im Laufe der Jahre geändert?
Die Themen ändern sich von Jahr zu Jahr. Natürlich verändert sich die Technik, aber auch die Inhalte. Ich kann gut argumentieren, warum ein Film ins Programm kommt oder er es nicht schafft. Es geht fast immer um die Liebe, Coming of Age, über den ersten Kuss und über all diese Dinge, die zum Erwachsenwerden dazugehören.
Wir scheuen uns vor kaum etwas. Großes Vertrauen haben wir in Euch, die jungen Zuschauer. Unser Ziel ist zu fordern, nicht zu überfordern.
Vor Jahren hatten wir zum Beispiel einen schwedischen Film im Programm, den ich sehr solide fand. Ein richtiger Jugendfilm. Da war alles drin: Er war ein bisschen hart, es ging um Sex, Liebe und eine dysfunktionale Familie. Später kamen Jugendliche zu mir und meinten: „so ein Film ist Standard bei uns im Kino, auf dem Festival möchten wir etwas anderes sehen.“
Es ist eine Reise, auf der wir voneinander lernen. Ich weiß natürlich nicht alles, was Euch durch den Kopf geht, aber ich kann mir einiges vorstellen. Und deshalb ist ein Feedback auch so unheimlich wichtig für mich.
Nach dem Festival brauche ich einige Zeit, um die Emotionen und Eindrücke gut zu verarbeiten. Eure Reportagen lese ich dann auch immer mit Vergnügen.

Maryanne, wir danken Dir für dieses Interview.

26.02.2017, Moritz Palma und Vivien Krüger

Publikum vs. Jurys - wie haben die Filme abgeschnitten?

Publikumsliebling 14Plus

Auch in diesem Jahr wollten wir sehen, welcher Film denn das Publikum am meisten begeisterte. Dafür haben wir diesmal zum einen eine Online Umfrage gestartet, zum anderen wie üblich vor der Preisverleihung Umfragen im Publikum durchgeführt.

Mit 22 % aller Stimmen ist das in diesem Jahr Freak Show! Wir gratulieren ganz herzlich :)
Gefolgt von The Inland Road mit 18% der Stimmen.

Hier eine Abbildung der Verhältnisse:


Auch online und offline hat einen gewissen Unterschied gemacht, also hier nun noch die entsprechenden Proportionen:

Insgesamt haben 85 Leute an der Umfrage teilgenommen. Natürlich ist sie in keinster Weise repräsentativ, aber ein gewisses Stimmungsbild gibt sie nun doch wieder und es ist immer schön zu sehen, wie es sich im Vergleich zu den Jurys verhält.
Butterfly Kisses als Gewinner der Jugendjury ist mit 12 Stimmen und somit 14% immerhin auf Platz 3! Ceux qui font les révolutions à moitié n'ont fait que se creuser un tombeau leider gar nicht vertreten, was aber durchaus an der Besonderheit dieses Films liegt, den einfach nicht jeder wertschätzen kann.
Auch die Auszeichnungen der Internationalen Jury - Ben Niao und Shkola Nomer 3 - sind eher weiter hinten im Beliebtheitsfeld, was sie aber nicht zu schlechteren Filmen macht.

Es lässt sich leicht feststellen, dass die Publikumslieblinge regelmäßig kommerzieller Natur sind und die 'typischen' Berlinalefilme nicht das breite Publikum begeistern können. Dies ist gerade bei Berlinalefilmen aber auch eher schwierig, da sie meist brisante Themen ansprechen und daher häufig auch bedrückend sein können. Schade nur, dass es eigentlich die Berlinalefilme sind, um die es in erster Linie geht. Die Filme, die eben nicht wie alle anderen sind. Die auf Probleme aufmerksam machen, häufig eben nicht spielerisch und lustig, sondern zutiefst überwältigend und bedrückend.
Man kann allerdings nicht verhehlen, dass man doch ganz froh ist, wenn zwischen all den belastenden Filmen dann auch mal lustige und muntere Filme dabei sind, von daher lässt sich die Wahl des Publikumslieblings doch irgendwie auch nachvollziehen. Für mich werden allerdings immer die bedrückenden und zum Nachdenken anregenden Berlinalefilme in stärkster Erinnerung bleiben.

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Publikumsliebling KPlus


Natürlich haben wir die gleiche Umfrage, auf die Kinderfilme-Filme zugeschnitten, für KPlus ebenfalls durchgeführt, wobei wir auf 78 Stimmen gekommen sind. 22 davon online und 56 vor der KPlus-Preisverleihung.

Unser stolze Gewinner mit 18% der Stimmen ist Red Dog!

Knapp gefolgt von Piata Lod, Becoming Who I Was und As Duas Irenes, die alle auf ungefähr 14% Stimmanteil kommen.

Auffällig bei dieser Umfrage ist vor allem der starke Unterschied in der Abstimmung bei Red Dog zwischen Online- und Offline-Publikum. Ich wage zu vermuten, dass es tatsächlich einige gibt, die gerne in erster Linie die "großen" Veranstaltungen der Berlinale Generation mitnehmen: Eröffnung und Preisverleihung. Und diese dann auch am meisten wertschätzen.
Viele derjenigen, die an der Preisverleihung teilnehmen, haben während der Berlinale tatsächlich nur 1 oder 2 Filme gesehen, was die Umfrage natürlich nicht repräsentativ macht.
Allerdings wurde die Umfrage vor der Preisverleihung durchgeführt und Piata Lod schneidet auch vorher schon gut ab. Eine Bestätigung der Kinderjury, die diesen Film zum Gewinner kürte.
Becoming Who I Was und As Duas Irenes waren die Internet-Lieblinge.

26.02.2017, Sarah Gosten

Ein Leben als Heiliger

Zu Beginn dokumentiert der Film das Leben des kleinen Jungen Angdu, der in Nordindien als Mönch in einem buddhistischen Kloster lebt, großgezogen von einem religiösen Arzt, den er nur Onkel nennt.
Doch schon bald stellt sich heraus, dass Angdu nicht nur ein einfacher Mönch ist, er ist ein großer Rinpoche, also ein wiedergeborener Priester. Allerdings spielen sich Rinpoches Erinnerungen an sein altes Leben alle in seinem tibetischen Kloster ab.
Normalerweise müssten seine ehemaligen Schüler bald abholen kommen, aber auch nach sieben Monaten ist noch niemand aus Tibet im Dorf eingetroffen, wahrscheinlich, da die Chinesen die indisch-tibetische Grenze zurzeit streng bewachen.
Also will Angdu selbst nach Kham reisen, wo sein eigenes Kloster liegt. Onkel gibt seine Arbeit als Arzt auf und begleitet ihn.
Die Beiden haben ein sehr enges Verhältnis zueinander und auf der langen Reise sehr viel Spaß. In der Stadt lernen sie Federball, auf Bergkuppen machen sie Schneeballschlachten und viele verschiedene Lebensweisen lernen sie kennen.
Als sie endlich an die Grenze kommen, dürfen sie jedoch nicht passieren.

Die Freundschaft zwischen Angdu und Onkel wird sehr schön deutlich, durch ihre spontanen Spiele. Außerdem ist dies kein gewöhnlicher Dokumentarfilm, an dem man vor allem lernen soll, er nimmt einen mit auf eine Reise ins ungewisse.
Und wer weiß, vielleicht wird Angdu es ja irgendwann ein berühmter Rinpoche werden.

26.02.2017, Mathilda Fastabend

"Friendship is more powerful than war"

Some days ago I had an Skype-Interview with Yelizaveta Smith the director of the Ukrainian film „Shkola Nomer 3“. She couldn‘t be at the Berlinale in person, because she gave birth to her child. So I am very happy that I got the opportunity to talk with her via Skype. Yelizaveta is a very nice person and I was curious to find out more about the background of this great and touching documentary.

How did you meet those wonderful children and how did you start the project?
When the war in the Ukraine began many people who took part in the revolution didn't know what to do. I felt this kind of panic inside myself – I felt powerless. Then me and my friends were invited to take part in a volunteering program, where we had to go to eastern Ukraine. At that time it was free from the Russian military. Our goal was to go to that school in the Donezk area and to rebuild it together with the local people. So we went to that school and that is how we met the children for the first time. 
One of the first things we made together with the children was the celebration of the St. Nicolas day. It was very nice and fun. From the first day we were bonding very well with the children. A few month later we returned to make a documentary theatre play. Then we started to shoot our work with the children and that was the beginning of the movie.


How did you make the children open up to you?
To be honest, when we went to the place the first time people didn't like us. They thought we wanted something from them. But when they understood, that it was safe and we only wanted to speak, you didn't need to make them open up any more, because they kind of needed to speak. They have seen and felt things they need to tell to other people.

Were there any problems while making this film?
Well, we didn't have any money to make this film at first. I don't remember difficulties with the children. Of course with some of them it took some time, but that is normal and I wouldn't call it a problem. At the beginning some parents didn't like what we were doing, but after some time they understood that we weren't doing something dangerous.

In your movie it sometimes seemed to me, that you had talked to the children before you were filming and then said to them: „now tell us the story of..." So how did you work?  Did you already knew the stories before you were filming?
It depends on the scene. Some stories we knew before, because the monologues were part of the documentary theatre play. This is a kind of therapy for the person who is telling the story and helps him deal with it.
But some monologues were happening for the first time.
I decided to let the children speak in monologues because I wanted the viewers to feel like the children were talking to them. That is why I let the children speak the whole story into the camera.


Could you try to tell the message of your film in one sentence?
I can try.
This is what those children taught me and what I want the movie to give to the viewers: In the end those teenager who went through the war - their first love, their friendship, their life is much more powerful than the effects of the war.


Yes, as I watched the film I felt like there is no big difference between the teenagers and me. It could be me talking in your film. We have the same problems, the only difference is that they live in a country where there is war.

How was your reaction when you heard that your film got an award?

Its kind of absurd. Now those children from Donezk area - that was so destroyed, they are now on the stage with their Ukrainian flag. This is really cool.
22.02.17, Liv Thastum


"God messed up something when he formed me"

- Kritik zu Karera ga honki de amu toki wa

Immer am letzten Sonntag der Berlinale – dem Berlinale-Tag – werden in der Sektion Generation Cross-Section Filme gezeigt. Also Filme, die eigentlich aus einer anderen Berlinale Sektion stammen, aber auch zu Generation passen.

Karera ga honki de amu toki wa ist eigentlich ein Panorama-Film und erzählt die Geschichte von dem elfjährigen Mädchen Tomo. Da ihre Mutter sich nicht um sie sorgt und oft einfach für Tage verschwindet, kommt Tomo bei ihrem Onkel und seiner Freundin Rinko unter, welche liebevoll wie eine eigene Mutter Tomo umsorgt, ihre Haare kämmt und ihr Bento-Boxen zubereitet. Als Tomo herausfindet, dass Rinko als Mann geboren wurde und sich später einer Geschlechtsumwandlung unterzog, ist sie zwar anfangs verwirrt, lernt aber schnell, dass das nichts weiter zu bedeuten hat und für eine Familienkonstellation irrelevant ist. "Karera ga honki de amu toki wa" führt den Zuschauer die Welt eines Transsexuellen und zeigt, wieso eine Familie nur durch Liebe definiert wird, behandelt aber auch die Probleme und Schwierigkeiten, auf die man bei diesem Thema in der Gesellschaft stoßen kann.

Durch die Sichtweise eines Kindes bekommen wir die Werte einer funktionierenden Familie vermittelt. So steht die Anfangssituation Tomos, in der sie auf sich alleine gestellt ist und niemanden hat, der sich um sie sorgt, im Kontrast zu der Situation bei ihrem Onkel und Rinko. Hier wird Tomo versorgt und sie hat erstmals das Gefühl, etwas Wert zu sein und geliebt zu werden. Rinko bringt ihr außerdem bei, wie man mit negativen Reaktionen zu ihrer Transsexualität umgeht, denn im Laufe des Filmes bekommt auch Tomo diese mehrmals zu spüren. So schockiert der Film auch in mancherlei Hinsicht und zeigt, wie oft Transsexuelle immer noch nicht toleriert werden und wie viele auf den "klassischen" Familienzusammensetzungen beharren und dabei völlig außer Acht lassen, ob genug Fürsorge vorhanden ist.

Durch das Ende des Filmes, was mich persönlich etwas überrascht hat, wird zusätzlich noch der Konflikt von wahrer Familie wieder aufgegriffen, was den Film sehr realistisch macht.

Als Panorama und auch Generations Film hat mir "Karera ga honki de amu toki wa" wirklich gut gefallen und mich überzeugt, denn er behandelt ein Thema, über das vielleicht immer noch nicht genug aufgeklärt wurde und so wichtig ist. Er vermittelt seine Botschaft – das Familien auch funktionieren können, wenn sie nicht "klassisch" sind – deutlich und durch eine schön erzählte Geschichte. Gerade deshalb finde ich es toll, dass der Film auch in der Sektion Generation gezeigt wurde, weil es meiner Meinung nach wichtig es, dass auch junge Leute über das Thema aufgeklärt werden und mögliche vorhandene Vorurteile gelöst werden.

21.02.17, Clara Bahrs

Alles ist Teil der Natur - auch wir selbst


- eine Kritik zu Uilenbal -

Frisch in eine neue Stadt umgezogen versucht Meral neue Freunde zu finden und sich einzuleben. Beim Erkunden ihres neuen Zimmers findet sie ein Mäuseloch und kurz darauf auch die dazugehörige Maus, die sie schnell ins Herz schließt. Als ihre Mutter Mäusekot entdeckt, während sie Meral für die Abreise in ein Schulcamp weckt und Merals Vater bittet, Mäusegift mitzubringen, fasst diese kurzerhand einen Entschluss und nimmt "Peep-peep" - wie sie die Maus immer nennt - unbemerkt mit, um sie vor dem Tod zu retten. Im Camp versuchen Meral und ein paar andere Kinder, die von "Peep-Peep" mitbekommen haben, alles dafür zu tun, dass die Maus von keinem entdeckt wird und begeben sich dadurch selbst auf ein spannendes Abenteuer.

Durch Jason, der viel über Natur und Tiere weiß, und dem Beschäftigen mit der Maus lernen Meral und die anderen viel über die Gesetze und den Kreislauf der Natur und auch durch traurige Erkenntnisse lernen sie über wahre Freundschaft und finden zueinander.

Der Film ist leicht und niedlich gemacht, und hat viele lustige und schöne Momente, die Groß und Klein zum Lachen bringen. Zwischendurch kommen immer wieder einmal Musical-ähnliche Stellen, was den Film auflockert und ihn sehr schön anzusehen macht. Dennoch gibt es auch Spannungsmomente, in denen das Publikum mit den Charakteren mitfiebern kann und vor allem die jüngeren Kinder den Film teilweise mit Angst und Spannung verfolgen.

So ist Uilenbal ein sehr süßer Film, der von Freundschaft und neuen Erfahrungen erzählt und gleichzeitig die Vorgänge der Natur den Kindern im Publikum nahebringt.

19.02.17, Clara Bahrs

Why do you wanna join the Army?


Mein letzter Film am Sonntagmorgen hieß „Soldado“; eine Dokumentation über das Leben eines Soldaten in Argentinien. Der 18-jährige Juan entscheidet sich mehr oder weniger aus Zwang dazu, in die Armee einzutreten und sein späteres Leben dort zu verbringen.
Warum er das tut? Das kann er eigentlich gar nicht richtig beantworten, er stammelt etwas von „zu Gunsten meiner Mutter“ und „um einen Vollzeitjob zu haben“. Eine wahre Überzeugung von Herzensblut schwingt dabei allerdings nicht mit.

Juan findet sich schnell mit der Situation ab, er erledigt seine Aufgaben tüchtig. Ihm wird der Job als Trommler zugesprochen, der eine sehr wichtige Funktion in dem Leben des Militärs spielt. Unter der Verwendung von Trommel-Cues wird einer Tradition nachgegangen. Außerdem sind sie die Signale für bestimme Zeiten, Aktionen oder elementar bei festlichen Märschen.

„Soldado“ ist eine sehr angenehme Dokumentation, die gleichzeitig erfrischend wirkt. Durch eine ruhige, fokussierte Kameraführung wird die Monotonie realistisch auf den Zuschauer übertragen. Die Bilder sind meist in grau-blau gehalten und mit prägenden Geräuschen untermalt. Alle Sounds, die abgespielt wurden, sind vor Ort aufgenommen worden, wie z.B. das charakteristische Getrappel der Soldaten, die lauten auffordernden Rufe der Offiziere oder die Marschmusik. Da in diesem Film viel Wert auf die Geräuschkulisse gelegt wurde, ist fast keine normale Filmmusik zu hören.

Faszinierend finde ich die Wahl der Perspektiven, denn der Regisseur Manuel Abramovich fängt Momente in unerwartenden Ausschnitten auf. Er hält die Kamera nicht auf die Person, die gerade spricht, sondern filmt über den Hinterkopf des Protagonisten und lässt den gerade Agierenden unscharf. Besonders eine Szene, die mir in Erinnerung geblieben ist, zeigt nur die Spitze eines Stabes, (den die Soldaten bei offiziellen Anlässen tragen), die immer auf und ab wippt, weil einer aus dem Militär damit Kunststücke vollführt.
Dadurch bekam ich das Gefühl intensiver dabei zu sein und die Sicht von Juan besser nachzuvollziehen.
Im anschließenden Publikumsgespräch erklärt der Regisseur, dass er die Soldatenformationen auf dem Trainingsplatz teilweise so wie ein Ballett aussehen lassen wollte. Er wollte der Dokumentation somit auch etwas Tänzerisches verleihen.

„Soldado“ ist ein sehr schlicht gehaltener Film, er soll nur das Leben eines argentinischen Soldaten zeigen. Es gibt auffallend wenig Dialoge, wodurch man fast keine Emotionen spüren kann. Doch genau das war wahrscheinlich das Ziel, Soldaten sollen keine Gefühle zeigen, sind jedoch trotzdem Menschen. Auch sie trauern und bilden eine enge Gemeinschaft. Denn ich finde, dass das Wort „Soldat“ mittlerweile schon so abstrahiert ist, dass man es sohar als Synonym für verkrampfte Steifheit und Emotionslosigkeit zuspricht.
Hierbei gefehlt haben mir trotzdem das drastische Aufzeigen der negativen Seiten des Lebens von einem, der sich dazu verpflichtet, für sein Land in den Krieg zu ziehen. Ich persönlich neige sogar dazu zu behaupten, dass diese Lebensweise ein wenig verherrlicht wurde.

Nichts desto Trotz ist dieser Film interessant anzusehen, um einen kleinen Einblick in diese Welt zu bekommen. Für Zuschauer, die viel Action erwarten, ist „Soldado“ wiederum nicht geeignet.
19.02.17, Eva Swiderski