Preisverleihung 14+

Im Saal wird es dunkel, die Berlinalemusik ertönt, Liv und ich singen leise mit und malen unsichtbare Bilder im Takt der Musik in die Luft. Wir alle sind sowohl freudig aufgeregt als auch traurig über das Ende der diesjährigen 14Plus Berlinale, das natürlich wieder viel zu schnell kam. Ein bittersüßes Gefühl, das für den Moment durch das Adrenalin beiseite gedrängt wird. Welche Filme werden in wenigen Minuten die acht Auszeichnungen tragen?

Maryanne und Tobi eröffnen die Preisverleihung wie jedes Jahr - die eine ruhig und gefasst, der andere im Vergleich dazu aufgeregt, nervös. Beide sind sie charmant. Beide sind sie über die Maßen glücklich. Eine Stimmung, die sich sofort auf das Publikum überträgt. Spätestens, als Tobi seine Erleuchtung des Abends hat, den Ausdruck „lit af“ als „lit as fuck“ erkennt und die letzten beiden Worte wie ein Kind ins Mikrofon ruft, ist die gespannte Menge komplett losgelöst und muss sich lachend den Bauch halten. Der Funke ist übergesprungen. Noch eine Weile begleitet uns der vom Präsidenten der Bundeszentrale für Politische Bildung, Thomas Krüger, eingeführte Ausdruck.

Wie schon bei der Eröffnung sorgt die Internationale Jury bei den Gruppenfotos für viele lustige Motive, ehe sie sich dem etwas ernsteren Teil des Abends widmet. Für uns stellt das Erraten der Preisträger anhand der vorgelesenen Beschreibungen mitunter den größten Spaß an den Preisverleihungen dar. Anders geht es uns auch dieses Mal nicht, als wir gespannt den Worten der Jury lauschen. Doch beide Kurzfilme, die sie küren, stammen aus der Kurzfilmrolle 2. Sowohl Into the Blue (Lobende Erwähnung) als auch The Jungle Knows You Better Than You Do (Geldpreis) werde ich selbst also erst Morgen zu Gesicht bekommen.
Mit ihrer Langfilmauswahl sind Sarah, Liv und ich, die wir wie auf heißen Kohlen alle nebeneinander sitzen, vollauf zufrieden. Ben Niao (Lobende Erwähnung) verdient seine Anerkennung als authentische Darstellung des chinesischen Landlebens und bei den Machern von Shkola Nomer 3 (Geldpreis) sind die 7.500 € der BPB wunderbar aufgehoben, um noch mehr Filme dieser berührenden und aufrüttelnden Art zu ermöglichen.

Als die Jugendjury ihre einleitenden Worte spricht, fühlen wir uns sofort angesprochen. Sie bezeichnet sich selbst als „liebevolle Zweckgemeinschaft“ und das trifft es auch bei uns genau auf den Kopf. Auch wenn wir mittlerweile schon fast wie eine kleine Berlinalefamilie sind, so waren unsere Anfangsjahre doch von genau diesem Gefühl geprägt und getrieben.
Letztendlich kann uns die diesjährige Jugendjury auch mit allen vier Preisentscheidungen überzeugen. Der durchaus verstörende Kurzfilm Snip (Lobende Erwähnung) verdient seine Auszeichnung für die ihm innewohnende Aufklärungsarbeit über den kanadischen Kulturgenozid; Wolfe (Gläserner Bär) hat mich bereits bei meinem ersten Screening vollkommen überzeugt und ich freue mich sofort, ihn noch einmal auf der großen Leinwand zu sehen.
Mit der Lobenden Erwähnung für Ceux qui font… ehrt die Jury in meinen Augen den Mut, sich künstlerisch so vollkommen frei zu entfalten und einen Film abseits jeglicher Norm zu drehen. Für diese Entscheidung verdient sie meinen größten Respekt.
Kaum haben die beiden Jurymitglieder ihre Beschreibung des Gewinnerfilms begonnen, nicken Liv und ich uns auch schon wissend zu: Butterfly Kisses. Wir hatten bereits von Anfang an die Vermutung gehegt, dass es dieser Film am Ende sein könnte, und waren uns seit einigen Tagen sehr sicher gewesen.

Während Maryanne sich auf der Bühne vom Publikum verabschiedet und uns viel Spaß bei den Vorstellungen wünscht, unterhalten wir uns über die diesjährigen Auszeichnungen - und stellen fest, dass wir zufriedener kaum sein könnten. Viele unserer Vermutungen und Hoffnungen haben sich bestätigt. Es wurden endlich wieder acht verschiedene Filme ausgezeichnet, wie es im Idealfall geschieht. Und die Gewinnerfilme sind tatsächlich welche, die man sich gerne noch einmal ansieht, statt wie in den letzten Jahren im Falle eines wiederholten Screenings eher den Saal zu verlassen, weil sie noch vom ersten Screening zu schwer im Magen liegen, als dass man sich noch ein weiteres Mal mit ihnen auseinandersetzen könnte.

Wir lehnen uns also entspannt zurück, lassen Wolfe und Butterfly Kisses ein weiteres Mal auf uns wirken und können dabei auf die kleinen Details achten, die uns beim ersten Sichten entfallen sind.
Eine gelungene Preisverleihung, würdige Gewinner und eine wundervolle Atmosphäre für den Abschluss der diesjährigen Generation 14Plus.
Danke.

17.02.2017, Johanna Gosten

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