„Kinder machen sich keine Sorgen"

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Eine Kritik zu „Allons Enfants"

In einem ungewöhnlichen 35mm Filmformat sieht man Kinder im Parc de la Villette herumrennen und spielen, und hat unweigerlich das Gefühl man sehe Aufnahmen einer alten Videokamera. Dieses Gefühl begleitet einen durch den relativ kurzen Film Allons Enfants, der uns die Geschichte von den dreieinhalbjährigen Zwillingen Cléo und Paul erzählt, die sich beim Versteckspielen im Menschengewusel von Paris aus den Augen verlieren und so beide einen ungewöhnlichen Tag in der Metropole erleben. Cléo und Paul heißen im echten Leben tatsächlich genau so und sind die beiden Kinder des Regisseurs Stéphane Demoustier, der später im Publikumsgespräch verrät, die erste Intention des Filmes sei es nur gewesen, seine Kinder in Paris zu filmen. So wussten diese überhaupt nichts von dem Filmdreh und der gesamte Dreh erfolgte ohne Absperrungen, einem größeren Cast oder Statisten. Jeder Polizist im Film ist wirklich ein Polizist, jedes Kind auf dem Karussell hat wirklich Eintritt gezahlt und jeder Vorbeihastende hat wahrscheinlich einen Grund für seinen Stress. Vielleicht gerade deswegen wirkt der Film so natürlich, man bekommt den Charakter von Paris mit tollen architektonischen Aufnahmen und auch aktuelle Themen der französischen Gesellschaft wie die immer noch sichtbare Terrorgefahr oder den Hype von Handyspielen wie „Pokemon Go“ zu sehen; und wie zwei Kinder dieser großen und vielfältigen Welt begegnen.

Der Film wird von der Leichtigkeit der Kinder getragen und bringt die eigentlich ernste Thematik so auf die Leinwand, dass man die meiste Zeit mit einem Schmunzeln dasitzt. Besonders toll gemacht war meiner Meinung nach, dass man als erwachsener Zuschauer über den ganzen Film hinweg eine schlechte Vorahnung hat, in jeder Szene die möglichen Gefahren sieht oder Dinge wittert, die zwei Kindern, die sich verlaufen haben, in einer Millionenstadt wie Paris passieren könnten; die Leichtigkeit und Sorglosigkeit der Kinder den Film aber vollkommen füllen. Grade dadurch schafft es der Film eine sanfte Kritik an dem Großteil der modernen Gesellschaft zu üben, die vielleicht ein bisschen zu sehr auf sich selbst fokussiert ist - diese Kritik nimmt man aber beim Schauen des Filmes kaum aktiv wahr, man wird praktisch nur durch die Einstellung der Kinder selbst dazu gebracht, sich diese Kritik zu denken.

So ist „Allons Enfants“ auf jeden Fall ein toller Film für Klein und Groß, und dem Applaus und Eifer der Zuschauer im Publikumsgespräch zufolge war ich mit dieser Meinung nicht alleine. Grade dieses hat noch einmal gezeigt, wie genial der Film gemacht ist und obendrein wie sympathisch der Regisseur und sein Filmteam sind - Stéphane Demoustier selbst formulierte es so, dass er mit seinem Film die Darstellung von Paris mit allen seinen Seiten wie auch Obdachlosigkeit oder Terror in den Gegensatz zu der Unbekümmertheit und Vorurteil-Freiheit von Kindern setzten wollte.

Nach dem Film hat sich mir auch noch kurz die Gelegenheit geboten ein paar Minuten mit dem Regisseur Stéphane Demoustier über seinen Film zu sprechen und auf ebendiesen Zusammentreff der unterschiedlichen Sichtweise einzugehen. Mich haben seine Worte über die Einstellung von Kindern sehr berührt und ich fand sie als Zusammenfassung des Filmes so auf den Punkt gebracht, dass ich sie zum Schluss gerne zitieren möchte:

„Als Erwachsene sind wir immer besorgt, weil wir alle Dinge sehen, die passieren könnten. Aber Kinder machen sich keine Sorgen, sie sind fantasievoller und optimistischer. Tatsächlich denke ich, dass der Film optimistisch ist; denn er zeigt uns, selbst wenn die Situation kompliziert ist, schau dir die Kinder an; sie leben, sie sind einfach voller Leben.“

Eine große Empfehlung von mir für „Allons Enfants“!





17.02.2018, Clara Bahrs



„Children don't worry"

With a unusual 35mm film-format we see children running around and playing in the Parc de la Villette, and we inevitably feel like seeing a clip from an old video camera. This feeling stays the whole film Allons Enfants, which tells us the story of the three-and-a-half year old twins Cléo and Paul, who lose each other while playing hide-and-seek in the crowd of people in Paris and the experiences they get from this day in the metropolis.

In real life, Cléo and Paul called actually exact the same and are the two children of director Stéphane Demoustier, who later says that the film's first intention was simply to film his children in Paris. So they didn't know anything about filming a movie and it took place without big extras. Every policeman in the movie is really a policeman, every kid on the merry-go-round has actually paid entry, and every hustler probably has a reason for the stress they have. Perhaps this is precisely why the film seems so natural, one gets to see the character of Paris with great architectural shots and also current themes of French society, such as the terror warning or the hype of mobile games like „Pokemon Go"; and how two children get to see this big and diverse world.

The film is carried by the jauntiness of the children and brings the serious subject to the screen in such a way that you spend most of the time sitting with a smile on your face. In my opinion, it was especially great that as an adult viewer you have a bad premonition throughout the entire film, that you see the possible dangers in every scene or think of things that could happen to two children who are lost in a city like Paris; but the joy and carefreeness of the children fills the film completely. It's maybe because of this that the film manages to take a gentle critique of the majority of modern society, which is perhaps a bit too much focused on itself - but this critique is hardly actively perceived when watching the film, it is practically only by the attitude of the children themselves that one is forced to think about this critique.

So "Allons Enfants" is definitely a great movie for young and old, and according to the applause and enthusiasm of the audience I was not alone in this opinion. Stéphane Demoustier himself put it in such a way that with his film he wanted to contrast the portrayal of Paris with all its sides as well as homelessness or terror with the carelessness and freedom of prejudice of children.

After the film, I also had the opportunity to talk to director Stéphane Demoustier about his film for a few minutes and to talk about this meeting of the different viewpoints. I was very touched by his words about the attitude of children and I found them so succinctly summarised in the film that I would like to end by quoting them:

„As an adult we are afraid, because we always see things that might happen. But children, they don’t worry, they are more imaginative and more optimistic. In fact i think the film is an optimistic one, because it says even if the situation is complicated, look at the children, they are living, they are just full of life.“

A big recommendation from me for "Allons Enfants"!

17.02.2018, Clara Bahrs

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